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Chemie zum Anpacken "Bildungsinitiative Chemie": Chemie zum Anpacken
IG BCE vom Mai 2002

Den Chemie-Unterricht an den Schulen attraktiver zu gestalten, mehr Jugendliche für Berufe und Studiengänge in der Chemie zu begeistern - das hat sich die »Bildungsinitiative Chemie« vorgenommen. Mit einem Workshop machte sie in Baden-Württemberg auf die Problematik aufmerksam.
Es ist ein Missverhältnis: Chemiefachkräfte werden langfristig gebraucht, die Schulen aber behandeln das Thema mitunter stiefmütterlich. Zudem ist das Fach unter Jugendlichen nicht sehr gefragt. Die Branche aber benötigt den qualifizierten Nachwuchs. Vor diesem Hintergrund hat sich auf Bundesebene die »Bildungsinitiative Chemie« gebildet, die gemeinsam vom Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V, der IG Bergbau, Chemie, Energie, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und dem Verband der Chemischen Industrie e.V. getragen wird.
Ziel dieser Initiative ist es, den Stellenwert des Chemieunterrichts an den Schulen zu erhöhen und das Fach Chemie attraktiver zu gestalten. Mit einer bunten Auftaktveranstaltung für Baden-Württemberg in Stuttgart bewies die Initiative, dass ein spannender und interessanter Chemie-Unterricht keine Utopie ist.
Was da in den Gängen des Hauses der Wirtschaft zu sehen war, erinnerte schon stark an eine Fachmesse und war doch nur für einen Tag errichtet. Gut 20 Schulen, Arbeitsgruppen, Institute und Universitäten präsentierten ihre Projekte: Chemie zum Mitmachen und Anpacken.
Eigentlich nur der anschauliche Rahmen für die Workshopveranstaltung, auf der sich rund 200 Vertreter aus den Bereichen Bildungspolitik, Schule, Wirtschaft und Gewerkschaft mit Defiziten, Perspektiven und Lösungsansätzen in Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen beschäftigten, zeigte dieser »Markt der Möglichkeiten«, dass Konfrontation mit der Chemie neugierig macht.
Folgerichtig forderte IG-BCE-Landesbezirksleiter Ralf Stockheim in Stuttgart, die Praxis den Schulen näher zu bringen - einerseits durch Betriebspraktika für Lehrer, andererseits durch Wirtschaftsvertreter in den Schulen. Weiterhelfen könnten zudem Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben beziehungsweise Verbänden.
Ralf Stockheim: »Es muss gelingen, dass an den Schulen neben der Vermittlung allgemein bildender Qualifikationen verstärkt die Anforderungen der Arbeitswelt berücksichtigt werden.« Die berufsbildenden Schulen müssten zudem mit dem technisch-organisatorischen Wandel Schritt halten können.
Für eine qualifizierte naturwissenschaftliche Bitdung und eine generelle Aufwertung der naturwissenschaftlichen Fächer sprach sich Alexander Dehio, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Chemischen Industrie in Baden-Württemberg, aus: »Unterricht in Naturwissenschaften sollte an sämtlichen Schultypen den gleichen Stellenwert haben wie die sprachliche Bildung.« Nur gut ausgebildete Lehrer, die sich auch Fortbildungen stellen, könnten den Anforderungen genügen.
Auf offene Ohren stießen solche Forderungen bei Annette Schavan. Die baden-württembergische Kultusministerin versprach, dass der naturwissenschaftliche Unterricht in den Schulen des Landes im Rahmen einer bereits laufenden Reform gestärkt werden solle.
»Der Unterricht wird lebendiger und spannender. Die Schülerinnen und Schüler bekommen mehr Grundlagenwissen vermittelt und lernen gleichzeitig eigenverantwortliches, selbstständiges und zielorientiertes Arbeiten.«
Ob letztlich tatsächlich der Chemie-Unterricht aufgewertet wird, bleibt allerdings offen. Defizite gibt es auch in anderen schulischen Bereichen und auch dort gibt es Interessenvertretungen.
Auf die »Bildungsinitiative Chemie« kommt folglich noch einiges an Arbeit und Engagement zu.

Kultusministerin Annette Schavan im Fehling-Lab

»Fehling-Lab« - im Stuttgarter Experimentierlabor am Institut der Naturwissenschaften und Informatik der Universität Hohenheim und der Fakultät Chemie der Universität Stuttgart »schaffen« schon Grundschüler. Da staunte selbst Kultusministerin Annette Schavan.

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